CrossFit Limburg und die Wichtigkeit der Institution für seine Mitglieder. Ein Versuch einer psychologisch/pädagogischen Betrachtungsweise von CrossFit am Beispiel von CrossFit Limburg.

Nun ist es also schon über ein Jahr her, dass CrossFit Limburg in mein Leben getreten ist. Diesen Anlass möchte ich dazu nutzen, ein paar Gedanken zu teilen.

Ich könnte jetzt sicher schreiben, dass CrossFit das Geilste, Tollste und Beste der ganzen verdammten Welt ist. Ich könnte erzählen, dass ich binnen des letzten Jahres ca. 8 kg Fett abgebaut habe, und mich heute noch erschrecke was da so Hartes an meinem Bauch hervorscheint (anfänglich dachte ich es wäre ein Tumor, sind wohl aber Bauchmuskeln, hoffe ich).

Aber das erspare ich mir und vor allem euch an dieser Stelle. Aussagen bezüglich des Trainingseffektes und der Nachhaltigkeit sollten Fachmännern mit fundiertem Wissen überlassen werden. Ich denke jede Sportart und jeder Trainingsansatz ist für die Ausübenden sicherlich das Nonplusultra. Daher sollen sich hier die Fachleute streiten.

Jeder Schuster sollte bei seinen Leisten bleiben, daher möchte ich mich mit den Fragen beschäftigen, welche ich eventuell auch aufgrund meiner Zunft beantworten kann.

  • Ich stellte mir schon kurze Zeit nach Eröffnung von CrossFit Limburg die Frage, warum zur Hölle CrossFit es schafft, dass ich fauler Mensch 4-6 mal die Woche mit einer bis dato nie gefühlten Motivation diesen Ort besuche, um mich 60 min am Stück bis aufs Äußerste zu verausgaben?
  • Warum CrossFit es schafft, dass es einem schlecht geht, wenn man aus verschiedenen Gründen 3 Tage hintereinander nicht zum Training gehen kann?
  • Warum die besten Tage der Woche die Tage sind, an denen man um sechs Uhr aufsteht, den Hund halb vor die Tür prügelt, damit er was macht, um so um zehn vor sieben in der Box zu stehen, und sich schon vor Arbeitsbeginn zu verausgaben?
  • Und zu guter Letzt, warum CrossFit es schafft, dass eine heterogene Gruppe von Menschen aus verschiedensten sozialen Schichten dieser Gesellschaft sich binnen kürzester Zeit zu einer glorreichen Gemeinschaft zusammenfügt, welche auch außerhalb der Box füreinander einsteht und sich wahre Freundschaften bilden?

Zunächst einmal soll der Alltag der meisten Menschen dieser Gesellschaft betrachtet werden. Der durchschnittliche Bürger unserer Gesellschaft stapft Tag ein Tag aus aufs Neue an eine Arbeitsstelle, die er im Bestfall zwar mag, um dort im Bestfall etwas Geld zu verdienen, um damit im Bestfall sein Leben je nach Geschmack auf großem oder eher auf kleinem Fuß bestreiten zu können. Ihre Freizeit verbringen die meisten Menschen mit ihren Familien, Freunden oder Bekannten. Hier dreht sich meist auch alles irgendwie nur um Probleme der Einzelnen und deren Lösungen. Sei es der Kumpel, der sich offensichtlich jedes Wochenende ins Delirium trinkt, weil er so auf der Suche nach der Traumfrau ist, der Bekannte, der nonstop neue Ernährungsratschläge vergibt, und sich selbst gerne reden hört, dabei aber außer Acht lässt, dass er stetig in die Breite wächst, oder das befreundete Paar, was mit Vorliebe Feierlichkeiten nutzt, um ihre Beziehungskrisen auszutragen. Versucht der Mensch, aus diesem Bann einmal auszubrechen, und verzieht sich z.B. allein oder mit Hund in die Wälder oder sonstige einsame Orte, geht dieser stets nur mit Handy, um somit für alle Nichtigkeiten des Lebens erreichbar zu bleiben. Die Gedanken drehen sich auch hier meist um verschiedene Problemlagen.

Auf der Arbeit selbst ist man meist gefangen in einer Maschinerie von anderen Menschen, in der kaum einer für den anderen einsteht, und prinzipiell eher das Ellenbogenprinzip herrscht. Lob, Anerkennung oder mal ein Schulterklopfen? Das kennen wohl die wenigsten aus ihrem Beschäftigungsverhältnis. Es ist leider so, dass es sich eingebürgert hat, dass alles in Ordnung ist, wenn man nichts hört.

Doch der Mensch selbst strebt sein gesamtes Leben nach Lob, Anerkennung und dem damit verbundenen Erfolg und der persönlichen Zufriedenheit. In der Arbeitswelt von heute ist dies selbst durch top Lohnzahlungen am Ende des Monats nicht mehr möglich.

Hier liegt meiner Meinung nach ein Teil des Erfolgsrezeptes von CrossFit. Entgegen aller gesellschaftlichen Normen gibt es hier fast täglich Lob, Anerkennung und das Gefühl, eine wirklich großartige Leistung vollbracht zu haben. Hierbei ist es vollkommen egal welches sportliche Niveau man mitbringt. Gefeiert wird der, der es verdient hat.

Ein persönliches Beispiel hierzu:

Ich kann mich an eine Situation genau erinnern, in welcher diese Aussage mehr als nie zuvor zu spüren war. Es war ein absolut beschi… Arbeitstag. Im Grunde war ich drauf und dran auch das Training sausen zu lassen, da ich auch eigentlich schon viel spät war, und ohne großen Stress pünktlich Vorort zu sein aussichtslos schien. Doch irgendwie wollte ich den ganzen Ärger und die ganze Wut noch einmal rauslassen. Mit der Angst der Straf-Burpees im Nacken schaffte ich jedoch eine Punktlandung in die Box. Wie es der Teufel wollte war dieser Tag ein Girlsday (soll heißen an diesem Tagen werden sog. Standard-Workouts gemacht, welche alle Namen von Frauen haben). An diesem Tag besuchte uns ANGIE (100 Klimmzüge/100 Liegestütze/100 Situps/100Kniebeugen). „Naja“, dachte ich, „man muss halt auch mal mit Sandalen durch die nasse Wiese laufen oder eben ein echt hartes WOD nach einem echt beschissenen Tag ertragen.“ Gefühlt waren nur die Top-Athleten von CrossFit Limburg in diesem späten Kurs. „Naja nutzt nix, auf geht es.“ Nach einer gefühlten Ewigkeit waren alle bis auf mich bereits fertig. Die Stunde neigte sich dem Ende, doch ich bat den Trainer, dass ich meine ANGIE trotz überschreiten des Timecap (Zeitlimit) noch in die Knie zu zwingen durfte.

Was dann geschah erklärt wohl schon den grundlegendsten Pfeiler der Erfolgsgeschichte von CrossFit.

Während ich noch unzählige Situps und Kniebeugen vor mir hatte, wagte sich niemand der anderen auch nur den Raum zu verlassen. Man bedenke: Prinzipiell war das Training beendet und ich denke die meisten meiner Mitstreiter hatten wohl auch noch etwas Besseres vor, als auf mich zuwarten. Aber im Gegenteil, niemand verließ die Box und ich war plötzlich der Mittelpunkt der Gruppe. Ich wurde angefeuert, mit Tipps unterstützt, und erhielt bis zur letzte Kniebeuge den Beistand dieser Gruppe. Völlig am Ende meiner Kräfte beendete ich dieses Workout: Das erste Mal Rx (ohne jegliche Hilfsmittel). Nach Beendigung wurde ich gefeiert wie ein Held. Eine Faust nach der anderen klatschte auf meine, Applaus schallte und ich war verdammt noch mal sau zufrieden und stolz wie Oskar zu seiner überragendsten Zeit.

Diese persönliche Beispiel zeigt recht klar, dass es neben der eigenen, nie da gewesenen Leistung, welche aus einem durchdachten Trainingskonzept resultierte, auch die offene und ehrliche Anteilnahme der Mitstreiter war, die ein überwältigendes Gefühl hervorbrachte, das bis heute unvergessen bleibt.

Das daraus resultierende Gefühl endet nicht etwa mit dem Schließen der Boxtür von außen, dieses Gefühl begleitet einen auch im Alltag. Man wächst dadurch in jeglicher Hinsicht. Diese Tatsache ist wohl Grund dafür, dass CrossFit für die meisten ein wahrer Magnet ist.

All das, was einem meist im Alltag verloren geht, die sogenannten Softskills, gehören zu CrossFit ebenso dazu, wie die Thruster zu FRAN.

Diese Tatsache beantwortet mehr oder minder auch meine zweite Frage, welche darauf zielt, warum es einem nicht optimal geht, wenn man drei Tage am Stück das Training nicht besuchen konnte. Ich denke CrossFit ist eine Sucht. Bevor jetzt hier alle aufschreien und Nummern von Suchtberatungsstellen mailen, sollte kurz einmal das Wort Sucht klar definiert werden.

„Sucht ist ein umgangssprachlicher Ausdruck für Abhängigkeit. Die Medizin beschreibt Abhängigkeit als ein unabweisbares Verlangen nach einem bestimmten Erlebniszustand.

Sucht ist im menschlichen Körper fest verankert. Einige greifen zur Flasche andere zu Joints, Pillen oder der Nadel. Jeder eben zu dem, was den gewünschten Erlebniszustand erbringt.

Im Falle von CrossFit ist es eben das unabweisbare Verlangen nach sportlichen Leistungen, Anerkennung, persönlichen Herausforderungen, Lob, Stolz, und einem Zusammengehörigkeitsgefühl der Gruppe, in welcher jeder jedem die bestmögliche Unterstützung gibt. Eben genau das Verlangen, welches die heutige Gesellschaft nicht mehr befriedigen kann.

Aus dieser Befriedigung resultiert eine innere Ausgeglichenheit sowie eine persönliche Zufriedenheit mit sich selbst. Dieses Gefühl ist wohl die Antwort auf die Frage, warum die Tage, an denen man zum CrossFit geht, die besten sind. Man ist an allen anderen Tagen auf Entzug.

Abschließend bleibt nun jedoch noch die Frage offen, wie es sein kann, dass der beispielsweise schick in Hugo Boss oder ähnlichem verpackte Investmentbanker, dem auf den ersten Blick merkwürdig anmutenden tattoovierten einfachen Angestellten bei einer zufälligen Begegnung in der Stadt um den Hals fällt, und sich beide ein Loch in den Bauch freuen über diese zufällige Treffen. Offenbar hat CrossFit eine Verbindung zwischen (überspitzt) diesen beiden Welten geschaffen.

CrossFit schafft hier eine Verbindung über die gesellschaftlichen Schichten hinaus. Dies scheint auf den ersten Blick erst einmal merkwürdig, eben wie die Zeugen Jehovas oder ähnliche Verbindungen. Ist es aber gar nicht. CrossFit schafft es, dass sämtliche gesellschaftlichen Schichten beim Betreten der Box nichtig werden. Es ist scheißegal, womit du und wie viel Geld du verdienst, es ist egal wie du dich kleidest oder wie bemalt du bist, es ist egal ob du mit dem Rad da bist, zu Fuß oder mit einem 500er Benz, es ist egal ob sportlich gesehen fit oder absolut unfit bist. Beim CrossFit sind alle gleich. Dies liegt wohl dran, dass alle dem gleichen Ziel nacheifern. Dem Ziel, das unabweisbaren Verlangen nach dem Erlebniszustand CrossFit zu befriedigen.

Wie bereits oben beschrieben lebt die CrossFit Gemeinschaft von den individuellen Leistungen eines jeden Einzelnen. Dabei spielen eben diese gesellschaftlichen Unterschiede keine Rolle. Über CrossFit kommen die Menschen ins Gespräch und durch die gemeinsame Sucht, oder besser die unabweisliche Suche nach der Befriedigung der oben beschriebenen menschlichen Bedürfnisse, schaffen die Menschen Brücken zueinander und stellen fest, dass alle doch im Grunde das Gleiche wollen.

Ich denke ich könnte aus diesem Ansatz ein ganzes Buch füllen (sollte ich eventuell mal), aber das Wichtigste ist wohl gesagt.

Kurzum:

Danke CrossFit Limburg für dieses tolle Jahr. Danke, dass du es geschafft hast, deinen Mitgliedern Dinge zu geben, welche sie in „der Welt draußen“ nicht mehr bekommen können.

Um jetzt emotional noch mal richtig auf die Kacke zu hauen:

CrossFit Limburg kann bildlich gesprochen als eine Insel des Alltags gesehen werden. Auf dieser Insel gibt es all das, was man im Alltag vermisst. Deshalb ist diese Insel für seine Mitglieder etwas ganz Besonders. Ich hoffe, dass diese Insel trotz der allgemeinen Klimaerwärmung nicht untergeht. Und wenn doch, dann schleppen wir eben Tonnen von Sand, um sie zu retten – weil wir es jetzt können.

Vielen Dank

CrossFit macht stark!

Von: Nadine R.

An: info@crossfit-limburg.de

Datum: 1. Dezember 2013 20:44

Betreff: Re: CrossFit Limburg

[…] Das mit Dienstag klingt wirklich gut, allerdings muss ich mich schweren Herzens gegen CrossFit entscheiden, da ich im März Abitur schreiben werde und meine Eltern mir nahegelegt haben, dass ich nun „reduzieren“ sollte. Es tut mir wirklich Leid, euch dies nun sagen zu müssen, nachdem ihr euch solche Mühe gemacht habt. Ich bin euch aber sehr dankbar dafür, denn dadurch weiß ich einfach, dass ich irgendwann, aber auf jeden Fall, CrossFit machen werde. Bitte verzeiht die Umstände, die ich verursacht habe.

Viele Grüße,

Nadine

So fing meine Laufbahn mit CrossFit an: Mit einer Absage. Nach zwei Probetrainings im Dezember beschloss ich dem vernünftigen Rat meiner Eltern zu folgen: In Betracht meiner bevorstehen Abiturprüfungen nichts Neues anzufangen, sondern eher zu „reduzieren“.

Ich lernte alleine für die Prüfungen und zum Ausgleich ging ich weiterhin alleine joggen. Es wurde schrecklich einsam.

Im Februar beschloss ich, die Dinge in die Hand zu nehmen: Ich beschloss mich einfach zum CrossFit anzumelden und die Mitgliedsbeiträge selbst zu zahlen.

Von: Nadine R.

An: info@crossfit-limburg.de

Datum: 16. Februar 2014 22:02

Betreff: Anmeldung

Liebe CrossFit-Coaches,

Wäre es möglich, dass ich mich ab dem nächstmöglichen Zeitpunkt bis einschließlich Juni 2014 für das CrossFit-Training anmelde? Wenn ja, dann würde ich mich gerne so bald wie möglich eurem Team anschließen.

Liebe Grüße,

Nadine

Mir wurde klar: Noch bevor ich überhaupt ein Mitglied bei CFLM war, hatte es mich positiv beeinflusst: Ich hatte zum ersten Mal in einer langen Zeit etwas gewagt.

Nach dem ersten Training konnte ich zwei Tage lang nicht richtig laufen. Und während ich durch den Tag kroch, wusste ich, dass ich mich für genau das Richtige entschieden hatte. Ich hatte genau das gefunden, was ich gesucht hatte. Und von jenem Punkt an, habt ihr mir mehr beigebracht, als ihr euch je vorstellen könnt.

Ihr Coaches habt mich immer ermutigt, mir selbst mehr zuzutrauen. Ihr habt mir gezeigt wozu ich eigentlich in der Lage bin, sodass ich mir oft die Frage gestellt habe: „Wenn ich mich durch das heutige WOD so gut gekämpft habe, was kann ich heute eigentlich nicht schaffen?“

CrossFit hat mir gezeigt, wie es sich anfühlt, Kraft zu haben. Durch CrossFit gehe ich aufrechter- wie könnte ich auch anders?

Ihr habt mir gezeigt, was Stärke, Durchhaltevermögen, Mut, Selbstvertrauen, Disziplin, Ehrgeiz und Zähigkeit sind. Ihr habt mir gezeigt, was da eigentlich in mir steckt. Und alles was ich dafür tun musste, war zum Training zu kommen und mein Bestes zu geben.

André, Marco, Dirk und Patrick: Danke. Für alles. Für euch würde ich 1000 burpees machen. Pro Person!

Liebe Christina, ich danke dir, dass du gefragt hast, ob ich einen Eintrag machen möchte. Ich finde es absolut klasse, dass du nun Trainerin bei CFLM bist. Du bist mir ein Vorbild.

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Ein Jahr CrossFit als Seniorin

„Was mache ich hier eigentlich? Hallo, ich bin 58 Jahre alt!“ so oder so ähnlich rede ich mit mir selbst, wenn ich mich zwischen den vielen Jungen in der Box stehen sehe und auf das Board (früher Tafel) mit dem heute zu absolvierenden WOD (workout of the day) schaue.

„Schaffe ich das wirklich in der vorgegebenen Zeit?“ Yeah, ich habe es geschafft und habe mich gequält, bin außer Atem, schwitze wie ein Stier und bin so happy. „Das ist genau das, was ich gebraucht habe!“

Ich habe mit CrossFit vor über einem Jahr begonnen. Ich, ein eher unsportlicher Typ von klein auf, besuchte seit mehr als 13 Jahren diverse Fitness-Studios. Na ja, man muss ja was tun, dachte ich. Warm machen auf dem Laufband, danach diverse Geräte je 3 Sätze – eine Std. rum – fertig.

Irgendwie ist das schon langweilig geworden und abschalten vom Alltag hat auch nicht funktioniert, denn so wirklich hat man sich ja dann doch nicht angestrengt.

André, unser Sohn, animierte uns dann zum Mitmachen bei CrossFit. Zunächst Verweigerung „Das schaffe ich doch nicht, sind zu alt für so was – lass mal.“ – dann „Na ja ich kann’s ja mal probieren“.

Sit- ups, Squats, Push-ups, Pull-ups – also, ich versteh’ nur Bahnhof.

Mein erstes CrossFit-Training war eher frustrierend. Squats (Kniebeugen) gehen nur sehr beschwerlich bis auf eine Bank. Push-ups (Liegestützen) habe ich noch nie gekonnt – mache ich ebenfalls auf einer Bank. Pull-ups mache ich an Ringen. Sit-ups – oh je meine Füße bleiben gar nicht auf dem Boden – kein Problem, die Kurzhantel hält sie unten.

Am Ende bin ich total erschöpft, aber fühle mich irgendwie gut.

Der nächste Tag – Muskelkater ohne Ende an den Stellen, wo ich dachte, ich hätte gar keine Muskeln. Jetzt bin ich angepickst – ich will mehr davon.

Bilanz nach einem Jahr: Geht nicht, gibt’s nicht! Jede Übung lässt sich individuell skalieren und ich kann alles mitmachen.

Mittlerweile kann ich Single-Unders (Seilspringen war täglich als Kind angesagt, hatte ich total verlernt und mich dementsprechend auch blöd angestellt, dass ich mich über mich selbst geärgert habe.) Heute mache ich in einem WOD 200 Stück.

Meine größte Herausforderung waren die Box-jumps (ja eigentlich ganz einfach – auf eine Kiste springen.) Denkste – ich habe gescheut wie ein Gaul. Aber Dank der guten Coaches wurde mir die Angst peu à peu genommen. Zunächst sprang ich eben nur auf eine Gewichtscheibe 10-15 cm hoch. Beim nächsten Mal waren es dann 2 Gewichtscheiben, dann 3 Stück usw. Dann der Durchbruch: die Scheiben waren so hoch wie die Box und ich wagte es – Juchhu ich hab’s geschafft und durfte vor allen Mitstreitern die Glocke läuten, die lautstark verkündete, dass ich meinen PR (personal record) verbessert hatte.

Es gibt Trainingsgeräte, die kannte ich vorher gar nicht. Die Kettlebell schwingen, ist zu meinem Favoriten geworden (danke Christina 🙂 )

CrossFit ist für mich eine wunderbare Form der Leibesertüchtigung geworden, die mich ungemein fordert und mich auch in meinem Alter an meine Grenzen bringt. Doch komischer Weise verschiebt sich die Grenze ständig nach oben! Ob Deadlifts, Overhead Squats, Push Press u.v.m. ich merke, ich werde immer stärker.

Mein Körper hat sich verändert, ich habe Muskeln, wo andere in meinem Alter Winkearme haben – lach.

Ich fühle mich von den jungen Wilden voll akzeptiert und wenn ich denke, es geht nichts mehr, dann motivieren sie mich und siehe da, es geht weiter.

Ich beteilige mich an Challenges (Wettkämpfen) und es macht richtig viel Spaß miteinander zu „fighten“ (muss mich ja auch der Sprache etwas anpassen.)

Wenn ich morgens um 08:00 Uhr die Box nach einer Stunde intensivem Training verlasse, fühle ich mich zwar erschöpft aber unglaublich gut. Der Kopf ist frei, da ich während des Trainings an nichts anderes denken kann – ich muss mich voll auf mich und meinen Körper konzentrieren.

Ein Jahr CrossFit hat mich zu einem fitteren Menschen gemacht. Ich habe gelernt, wie man sich richtig bückt, etwas aufhebt oder auch selbst leichter aufstehen kann (Turkish Get-Up).

Danke dafür CrossFit-Limburg.

Ich hoffe, ich kann noch lange mitmachen, Teil eurer wunderbaren Gemeinschaft sein und mein PR verbessern.

Allen älteren Lesern dieses Blogs, deren Interesse ich vielleicht an CrossFit geweckt habe, kann ich nur ein Probetraining empfehlen. Ihr werdet sehen CrossFit macht in positivem Sinne süchtig.

In diesem Sinne „Happy Birthday“ CrossFit-Limburg

Eure Bärbel

 

Von Drachen, Piraten und CrossFittern

Limburg an der Lahn, 10 Uhr am Sonntag, den 23.08.2014. Der Morgen ist noch früh und das Wetter noch nicht ganz so bescheiden, wie es später werden soll. Die ersten Athleten des Drachenboot Teams von CrossFit Limburg trudeln langsam ein. Dass die Stimmung schon zum Zerreißen gespannt war, wäre übertrieben gesagt. Zu der frühen Stunde ging noch alles sehr relaxt zu. Die Teams finden sich langsam auf dem Gelände des Kanuvereins ein, jeder sucht sich so seine Ecke, die CrossFitter von Limburg rotten sich ebenfalls zusammen, versuchen die gegnerischen Teams schon mal abzuchecken und durch böse Blicke zu verunsichern. Die ersten Strategien werden diskutiert, Siegesreden vorbereitet und die Siegprämie schon mal verplant. Ach, wie schön kann doch eine gesunde Portion Arroganz sein ;-). Nichtsdestotrotz rufen ein paar wenige (Headcoach meinereiner) zu etwas mehr Zurückhaltung auf. Wer weiß, was die Anderen so können. Das Team von Ovalo war letztes Jahr schon stark und das Aventis Team hat sich sogar auch einen CrossFitter aus Frankfurt eingekauft … pfft … EINEN..! Na ja, was siegessicheres Auftreten, die Anzahl der Tattoos und den durchschnittlichen Bizepsumfang betrifft, haben wir definitiv die Nase vorn… Man könnte das Ganze also eigentlich direkt beenden und uns als Sieger nach Hause schicken – das Wetter ist mittlerweile sowieso miserabel und es regnet. Aber nun zum wirklich Wichtigen: Der Rennplan wird verteilt und mit ihm steigt die Spannung und die Aufregung … haben wir eigentlich einen Schlachtruf??? Nein, haben wir nicht und es wird sich kurzfristig entschieden, dass wir keinen brauchen. Starke Männer und Frauen schweigen und sind nicht albern. Also, auf geht’s, erste Runde, zweites Rennen, CrossFit Limburg und … keine Ahnung, wer die anderen waren. Auf jeden Fall ein glanzvoller Auftakt, deutlicher Sieg und eine gute erste Zeit von 1:15 min, Platz 1 nach der ersten Runde. Neue Taktikbesprechungen, überkochende Emotionen, Schuldzuweisungen … alle schnell wieder vertragen und lieb haben und ab geht’s ins zweite Rennen … 1:12:59. Immer noch knapp Erster vor dem Team von Ovalo mit 1:13:00 … Shit, das war mal wirklich eng. Damit standen die Finalisten im Kampf um den Sieg fest: Ovalo, BONA und CrossFit Limburg. Jetzt erstmal Mittagspause und sich den Bauch mit NICHT Paleo geeigneten Würstchen, Steaks und Kuchen vollstopfen … jaja, bisschen Rudern (sorry Paddeln) und jeder meint, er könne sich alles erlauben ;-). Spätestens jetzt, angesichts des knappen Vorsprungs, ist die Stimmung zum Zerreißen gespannt. Man merkt doch schon, wer an solche Wettkämpfe mit einem gewissen sportlichen Ehrgeiz herangeht (WIR) und wer das eher locker sieht, freiwillig Laolas im Boot macht, Lieder singt und Bier trinkt (die ANDEREN). Aber dafür sind wir ja CrossFitter: Erst Gas geben und danach über den Erfolg freuen ;-). Ok, Rennen Nummer 3: Wir starten mit leichten Anlaufschwierigkeiten, da wir offensichtlich doch noch nicht schwer genug sind, um das Boot gegen den Wind an der Startlinie halten zu können. So beginnt eine langwierige Odyssee, das Boot endlich an die richtige Position zu manövrieren. Nach einer gefühlten Stunde, verzweifelten Gesichtsausdrücken, Kopfschütteln und Hände vor dem Kopf zusammenschlagen (Ja, gemeint bist du lieber Marco) ist es dann endlich soweit und Rennen 3 startet. Das letzte für den Tag und damit die Entscheidung: Wir oder Ovalo. Über den genauen Verlauf des Rennens lässt sich hier gar nicht so viel schreiben, neben wüstem Geschreie, spritzendem Wasser und brennenden Muskeln, sind nur kleine Ausschnitte noch abrufbar. Der Start war ganz gut, denke ich. Der Rhythmus lief, alle Mann im Takt. Dann plötzlich Unruhe im Getriebe, die Schlagzahl passt nicht mehr. Wo kommt denn eigentlich das laute Zählen her … hm, klingt nach hinter uns … das wird doch nicht … doch, es ist der Steuermann. Rückblick zur Vorbesprechung des Rennens „bitte nicht mitzählen, das bringt uns aus dem Rhythmus“. Na super, das hat ja toll geklappt, also was tun…? Paddel zu kurz und den Steuermann an die Strömung der Lahn zu verlieren, ist so mitten im Rennen eigentlich auch keine Option. Also mal sehen, ob ein kurzer aber bestimmender Schrei etwas bringt … oha, hat gewirkt: Es kehrt wieder Ruhe ein und siehe da, die Schlagzahl gleicht sich langsam wieder an. Also auf geht’s, Endspurt, nicht mehr weit bis zur Ziellinie. Aus verschiedenen Ecken des Bootes sind Anfeuerungsrufe zu hören oder auch lautes Stöhnen. Das wird ein knappes Ding … ist Ovalo jetzt vor oder hinter uns? Zieleinlauf: Oh Shit wir haben verloren. Getrübte Stimmung im Boot, betroffenes Schweigen, keiner traut sich, etwas zu sagen. Dann plötzlich: Ein emotionaler Ausbruch von Dirk … Oje, der arme Steuermann, der kann einem ja schon fast Leid tun. Wenn der sich heute Abend mal nicht besäuft oder versucht in der Lahn zu ertränken. Dann noch mal allgemeines Aufhorchen im Boot, die Durchsage der Rennleitung über den Lautsprecher … WIR HABEN GEWONNEN!!! Knappes Ding: Foto Finish 1:14:75 CrossFit Limburg vs. 1:15:53 Ovalo, BONA abgeschlagen mit 1:21:50.. ach ja, die waren ja auch noch da ;-). Von zu Tode betrübt zu himmelhoch jauchzend, Jubelschreie im Boot. Ja, jetzt können wir auch laut sein, alle Anspannung fällt von uns ab, der Tag ist gerettet. Eine Laola mit den Paddeln machen wir trotzdem nicht, so was Albernes. Raus aus dem Wasser, Teamfotos, Fäuste auf Fäuste, Umarmungen, was sind wir doch die Geilsten. Dann noch die Siegerehrung: Der erfolgreiche Abschluss eines Tages. CrossFit Limburg, Sieger des Drachenboot Rennens der Summer Games 2014. Dem Team von Ovalo haben wir für nächstes Jahr schon eine Revanche versprochen, also ein Jahr Zeit zu trainieren und besser zu werden. Es hat sehr viel Spaß gemacht, war ein tolles Event mit tollen und starken Gegnern. Das war’s, Sieg eingefahren, alle glücklich, erster Blogeintrag geschrieben. Bis demnächst, euer André.