Von Drachen, Piraten und CrossFittern

Limburg an der Lahn, 10 Uhr am Sonntag, den 23.08.2014. Der Morgen ist noch früh und das Wetter noch nicht ganz so bescheiden, wie es später werden soll. Die ersten Athleten des Drachenboot Teams von CrossFit Limburg trudeln langsam ein. Dass die Stimmung schon zum Zerreißen gespannt war, wäre übertrieben gesagt. Zu der frühen Stunde ging noch alles sehr relaxt zu. Die Teams finden sich langsam auf dem Gelände des Kanuvereins ein, jeder sucht sich so seine Ecke, die CrossFitter von Limburg rotten sich ebenfalls zusammen, versuchen die gegnerischen Teams schon mal abzuchecken und durch böse Blicke zu verunsichern. Die ersten Strategien werden diskutiert, Siegesreden vorbereitet und die Siegprämie schon mal verplant. Ach, wie schön kann doch eine gesunde Portion Arroganz sein ;-). Nichtsdestotrotz rufen ein paar wenige (Headcoach meinereiner) zu etwas mehr Zurückhaltung auf. Wer weiß, was die Anderen so können. Das Team von Ovalo war letztes Jahr schon stark und das Aventis Team hat sich sogar auch einen CrossFitter aus Frankfurt eingekauft … pfft … EINEN..! Na ja, was siegessicheres Auftreten, die Anzahl der Tattoos und den durchschnittlichen Bizepsumfang betrifft, haben wir definitiv die Nase vorn… Man könnte das Ganze also eigentlich direkt beenden und uns als Sieger nach Hause schicken – das Wetter ist mittlerweile sowieso miserabel und es regnet. Aber nun zum wirklich Wichtigen: Der Rennplan wird verteilt und mit ihm steigt die Spannung und die Aufregung … haben wir eigentlich einen Schlachtruf??? Nein, haben wir nicht und es wird sich kurzfristig entschieden, dass wir keinen brauchen. Starke Männer und Frauen schweigen und sind nicht albern. Also, auf geht’s, erste Runde, zweites Rennen, CrossFit Limburg und … keine Ahnung, wer die anderen waren. Auf jeden Fall ein glanzvoller Auftakt, deutlicher Sieg und eine gute erste Zeit von 1:15 min, Platz 1 nach der ersten Runde. Neue Taktikbesprechungen, überkochende Emotionen, Schuldzuweisungen … alle schnell wieder vertragen und lieb haben und ab geht’s ins zweite Rennen … 1:12:59. Immer noch knapp Erster vor dem Team von Ovalo mit 1:13:00 … Shit, das war mal wirklich eng. Damit standen die Finalisten im Kampf um den Sieg fest: Ovalo, BONA und CrossFit Limburg. Jetzt erstmal Mittagspause und sich den Bauch mit NICHT Paleo geeigneten Würstchen, Steaks und Kuchen vollstopfen … jaja, bisschen Rudern (sorry Paddeln) und jeder meint, er könne sich alles erlauben ;-). Spätestens jetzt, angesichts des knappen Vorsprungs, ist die Stimmung zum Zerreißen gespannt. Man merkt doch schon, wer an solche Wettkämpfe mit einem gewissen sportlichen Ehrgeiz herangeht (WIR) und wer das eher locker sieht, freiwillig Laolas im Boot macht, Lieder singt und Bier trinkt (die ANDEREN). Aber dafür sind wir ja CrossFitter: Erst Gas geben und danach über den Erfolg freuen ;-). Ok, Rennen Nummer 3: Wir starten mit leichten Anlaufschwierigkeiten, da wir offensichtlich doch noch nicht schwer genug sind, um das Boot gegen den Wind an der Startlinie halten zu können. So beginnt eine langwierige Odyssee, das Boot endlich an die richtige Position zu manövrieren. Nach einer gefühlten Stunde, verzweifelten Gesichtsausdrücken, Kopfschütteln und Hände vor dem Kopf zusammenschlagen (Ja, gemeint bist du lieber Marco) ist es dann endlich soweit und Rennen 3 startet. Das letzte für den Tag und damit die Entscheidung: Wir oder Ovalo. Über den genauen Verlauf des Rennens lässt sich hier gar nicht so viel schreiben, neben wüstem Geschreie, spritzendem Wasser und brennenden Muskeln, sind nur kleine Ausschnitte noch abrufbar. Der Start war ganz gut, denke ich. Der Rhythmus lief, alle Mann im Takt. Dann plötzlich Unruhe im Getriebe, die Schlagzahl passt nicht mehr. Wo kommt denn eigentlich das laute Zählen her … hm, klingt nach hinter uns … das wird doch nicht … doch, es ist der Steuermann. Rückblick zur Vorbesprechung des Rennens „bitte nicht mitzählen, das bringt uns aus dem Rhythmus“. Na super, das hat ja toll geklappt, also was tun…? Paddel zu kurz und den Steuermann an die Strömung der Lahn zu verlieren, ist so mitten im Rennen eigentlich auch keine Option. Also mal sehen, ob ein kurzer aber bestimmender Schrei etwas bringt … oha, hat gewirkt: Es kehrt wieder Ruhe ein und siehe da, die Schlagzahl gleicht sich langsam wieder an. Also auf geht’s, Endspurt, nicht mehr weit bis zur Ziellinie. Aus verschiedenen Ecken des Bootes sind Anfeuerungsrufe zu hören oder auch lautes Stöhnen. Das wird ein knappes Ding … ist Ovalo jetzt vor oder hinter uns? Zieleinlauf: Oh Shit wir haben verloren. Getrübte Stimmung im Boot, betroffenes Schweigen, keiner traut sich, etwas zu sagen. Dann plötzlich: Ein emotionaler Ausbruch von Dirk … Oje, der arme Steuermann, der kann einem ja schon fast Leid tun. Wenn der sich heute Abend mal nicht besäuft oder versucht in der Lahn zu ertränken. Dann noch mal allgemeines Aufhorchen im Boot, die Durchsage der Rennleitung über den Lautsprecher … WIR HABEN GEWONNEN!!! Knappes Ding: Foto Finish 1:14:75 CrossFit Limburg vs. 1:15:53 Ovalo, BONA abgeschlagen mit 1:21:50.. ach ja, die waren ja auch noch da ;-). Von zu Tode betrübt zu himmelhoch jauchzend, Jubelschreie im Boot. Ja, jetzt können wir auch laut sein, alle Anspannung fällt von uns ab, der Tag ist gerettet. Eine Laola mit den Paddeln machen wir trotzdem nicht, so was Albernes. Raus aus dem Wasser, Teamfotos, Fäuste auf Fäuste, Umarmungen, was sind wir doch die Geilsten. Dann noch die Siegerehrung: Der erfolgreiche Abschluss eines Tages. CrossFit Limburg, Sieger des Drachenboot Rennens der Summer Games 2014. Dem Team von Ovalo haben wir für nächstes Jahr schon eine Revanche versprochen, also ein Jahr Zeit zu trainieren und besser zu werden. Es hat sehr viel Spaß gemacht, war ein tolles Event mit tollen und starken Gegnern. Das war’s, Sieg eingefahren, alle glücklich, erster Blogeintrag geschrieben. Bis demnächst, euer André.